Stilling, Benedikt, Chirurg und Neuroanatom (1810-1879).

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Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Bad Driburg, 15. VI. 1859, 8°. 8 Seiten auf 2 Doppelblättern. Blindgepr. Briefkopf.

Vorrätig

Beschreibung

Langer Brief an den Mediziner Karl Ewald Hasse (1810-1902) in Göttingen: „[…] Sie wissen bereits, daß ich seit 14 Tagen in Driburg bin, wohin ich vor den täglichen Aufregungen, die mir in Cassel unabweislich zu Theil wurden, flüchtete. Ihr letzter Brief schien wenig für Schlangenbad zu stimmen, und da die Reise dahin für mich zu beschwerlich, die nach Driburg aber (in 4 Stunden) sehr leicht war, außerdem auch eine Einladung meines alten Freundes Dr. Brück hierher, nach dem mir bekannten stillen Orte, mir sehr willkommen kam, so entschloß ich mich kurz. Nun kommt aber die Zeit, in welcher die Fronalpstock-Cur beginnen müßte; daher wende ich mich von Neuem an Sie, mit der ergebenen Bitte um Ihren ferneren Rath […]“ Es folgt eine hochinteressante und sehr ausführliche Beschreibung seiner Kurbehandlungen, der Heilungsergebnisse und der Verhältnisse in Bad Driburg. „Hoffentlich haben Sie mein nun vollständig erschienenes Buch über das Rückenmark von Hotop in Cassel zugesandt erhalten; ich trug ihm solches vor meiner Abreise auf […]“ – Stilling schuf neue Operationsmethoden, entwickelte anatomische Techniken, schuf mit seinen Forschungen über das Rückenmark Grundlagen für die moderne Neuroanatomie und untersuchte das Gehirn. Er führte 1837 die erste Ovariotomie in Deutschland durch, zur Vermeidung innerer Blutungen extraperitoneal, seine Publikation darüber erschien 1841. Lange Zeit war er der einzige in Deutschland, der diese Operation beherrschte. Er entwickelte 1842 die Gefriermethode und war damit einer der Pioniere der Mikrotomentwicklung. Nach ihm ist der Stilling-Kanal benannt, ein schmaler Gang im Glaskörper des Auges zwischen dem blinden Fleck und der Augenlinse.